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Virus und Kultur

Der Wieser Verlag und der Drava Verlag werden durch Newsletter, über den Blog, durch digitale Verkaufsaktionen und viele andere Aktivitäten vom Büro und von zuhause aus so weit wie möglich gegen den Ausfall der öffentlichen Auftritte wie Leipziger Buchmesse, Lesungen und andere Einschränkungen gegensteuern. Das wird die entgangenen Umsätze und entstandenen Verluste nicht auffangen, es wird aber Hoffnung und literarische Haltegriffe bieten. In Zeiten wie diesen sind gerade die unentbehrlich!

Wir nehmen ernst, was der Gesundheitsminister sagt, und tragen solidarisch dazu bei, die Verbreitung des Virus einzuschränken, Zeit zur Bekämpfung zu gewinnen und uns und die Leserschaft zu schützen.

Wir starten keine Scheinaktivitäten, nur um einen „Beitrag zum poetischen Widerstand gegen die gegenwärtigen biopolitischen Verhältnisse“ zu leisten, was bei genauer Betrachtung scheinradikal ist, da es die Gegebenheiten nicht nur negiert und unterschätzt, sondern statt solidarisch zu sein, sich und die Umwelt aus Trotz und vielleicht Überschätzung in Gefahr bringt.

Man muss kein Mathematiker sein, um den Unterschied zwischen linearem und exponentiellem Wachstum zu verstehen. Wie immer kann uns eine Erzählung dabei helfen, es besser zu begreifen: Es geht um die Geschichte vom Reiskorn und seiner Vermehrung auf dem Schachbrett (nachzulesen hier: https://meinstein.ch/math/reis-auf-dem-schachbrett/). Ja, Literatur kann viel.

Wir werden – wie viele andere – nicht in Panik ausbrechen und diese schwierige Zeit nützen, um über grundsätzliche Fragen des Zusammenlebens und des solidarischen Überlebens nachdenken. Hier sind das für uns zuständige Kulturministerium, aber auch die Kulturabteilungen der Länder und der Gemeinden gefordert.

Wir sollten dabei die Sorgen ernst nehmen, die das gesamte komplexe gesellschaftliche Werk von Gemeinsamkeit, Wirtschaft, Kultur, Emotion, Glaube und Hoffnung in den Grundfesten erschüttert.

Wir sind erstmals – zumindest unsere Generation – mit dieser Komplexität an Grundsatzfragen konfrontiert und müssen rasch lernen. Dabei wird zu beachten sein, dass wir niemanden zurücklassen, ausstoßen oder gering schätzen.

Fragen treten massiv in den Vordergrund: Wie wird die Wirtschaft überleben, wie der Tourismus, wie der Handel, wie die Kunst und Kultur – es entstehen existenzbedrohende Situationen.

Hand in Hand mit dem Zurückdrängen der viralen Bedrohung wird die Hilfe für alle Branchen, Künstler und Künstlerinnen, Autoren und Autorinnen, Schauspieler und Schauspielerinnen, Verlage, Buchhandlungen und, und, und … unerlässlich sein.

Geist und Kultur sind die Faszien des gesellschaftlichen Körpers, deren Funktionieren in der Folge über die Zukunft dieser Gesellschaft entscheiden wird.

Seit gestern, dem 10. März, ist nichts mehr, wie es war.

Solitär und Solidär. Einsam und Solidarisch. Das derzeit erforderliche und vermehrte Einsame wird zum Gemeinsamen, kann uns zusammenwachsen lassen und die auf uns zustürmenden Ereignisse meistern helfen.

Dabei ist Kultur Heilmittel, stärkt die Immunität und wirkt gut gegen Verrohung und Vereinsamung.

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